Finnland - Aland - Schweden - Polen - Deutschland - Tschechien
Tatsächlich schon 4 Wochen unterwegs. Einerseits kommt es mir vor, als hätte ich Nord-Karelien erst grad verlassen. Andererseits hab ich in diesen 4 Wochen schon so viel erlebt, dass es auch genau so gut 8 sein könnten. Bisher zeigt der Tacho knapp 3500km an, ganz ok für 1 Monat, finde ich.
Um es gleich vorweg zu nehmen: Inua macht sich trotz gesundheitlichen Problemen bestens. Erst einmal hat sie mir klar mitgeteilt, dass eine geplante Wanderung nicht ihrem aktuellen Zustand entspricht. Da wollte ich den höchsten Punkt der Aland Inseln erwandern, eine Runde von rund 4 km auf 129 Meter ü.M. auf den Orrdalsklint. Bei 2 Versuchen an unterschiedlichen Tagen hat sie aber bereits nach ca. 1 km signalisiert, dass nicht ihr Tag ist. Also haben wir stattdessen einfach 2 Ruhetage auf dem Wanderparkplatz verbracht und kleine Spaziergänge unternommen.
Luna ist dabei, ihre Schreckhaftigkeit und Angst in vielen Situationen abzubauen. Tatsächlich spaziert sie inzwischen auch ganz entspannt an der Leine durch Prag. Nur wenn Strassenbahnen oder Feuerwehr/Ambulanz/Polizei mit Sirenen vorbeifahren, findet sie das nicht so prickelnd. Aber frei rumwuseln in Stadparks zwischen anderen Menschen hindurch, funktioniert schon fast perfekt. Fähren hingegen…. das geht gar nicht! Ausser wir haben eine Kabine gebucht, dann wird diese zu ihrem Safe Place und dann kann sie entspannen.
Nun aber von Anfang an:
Ich hatte mir vorgenommen, den ersten Teil der Reise wirklich direkt von 120 auf 50 runter zu entschleunigen. Die Aland Inseln waren dafür wie geschaffen. Und die Wahl der kurzen Fährstrecken und einem richtigen Inselhüpfen war ebenfalls die richtige Entscheidung. Wir hüpften also gemütlich von Kustavi nach Vartsala, von Vuosnainen nach Ava, weiter von Torsholma nach Lappo, dann Lappo - Kumlinge und weiter nach Hummelvik. Tagesetappen waren oft nur 20 - 40 km pro Tag und die Schwerpunkte lagen bei Ausschlafen, Spazieren, Geniessen. Und wie gewohnt habe ich immer wunderschöne Stellplätze mitten in der Natur gefunden, oft mit direkter Sicht auf die Küste - das Jedermannsrecht ist eine super Sache. Inua als Draussenschläfer kam voll auf ihre Kosten, sie nutzte das Auto in diesen Tagen nur selten.
Nach diesen ersten Tagen auf den kleinen Inseln erreichten wir dann die Hauptinsel, wo wir uns erstmal ein kleines Hüttchen mieteten, weil die Nachfolger im alten Zuhause noch soviele Forderungen hatten, dass ich einfach Strom und einen Arbeitsplatz brauchte. Nun gut, das konnte dann alles geklärt werden und nach 2 Nächten gings weiter auf der Hauptinsel. 3 Nächte auf freien Stellplätzen folgten noch, bevor es dann von Eckerö aus - wieder per Fähre - weiter nach Schweden ging. Abschliessend als Reisetipp für Leser: die Aland Inseln sind wirklich eine Reise wert. Schade, wenn sie nur als Durchreisepunkt für 1 Tag oder Nacht benutzt werden. Die Inselwelt ist wunderschön und bietet unheimlich viel an Ausflugsmöglichkeiten. Für Natur- und Ruhe-Suchende ohne gross Ansprüche an Trubel und Action einfach genau das Richtige.
Da für das südschwedische Festland die folgenden Tage eher schlechtes Wetter angesagt war, entschied ich mich kurzfristig, die Fähre von Nynäshamn nach Gotland zu buchen und auch diese Insel noch für 3 Tage zu erkunden. Zum Glück habe ich das gemacht, Gotland war für mich Neuland und hat mich mit ihrer Vielfältigkeit umgehauen. Die Felsformationen, genannt Rauks, sind natürlich wunderschön, fast mystisch. Die findet man an verschiedenen Stellen auf der Insel, die schönsten und wildesten aber ganz oben im Norden auf der Nachbarsinsel Farö. Gotland bietet aber nicht nur Rauks, sondern viel mehr: Visby als gemütliche Kleinstadt mit tollen Gassen, Stadtmauer und Blick aufs Meer. Faszinierende Aussichtspunkte über die Steilküste, kleine bunte Fischerdörfer entlang der Küste, schöne Siedlungen und Gehöfte im Inselninneren, von landwirtschaftlich genutzten Regionen bis hin zur wilden Küstenlandschaft, Leuchttürme, Wanderwege, Naturschutzgebiete, einfach alle paar Kilometer ein neues Highlight. Oft fühlte ich mich wie in einem Freilichtmuseum. Und die Gotländer sind sooo entspannt! Die nehmen es einem langsam fahrenden finnischen VW-Bus auch nicht übel, wenn der mit 50 km/h statt 90 dahintuckert… 3 Tage Gotland war knapp, aber wir haben das Beste draus gemacht und es hat sich mehr wie gelohnt. Ebenfalls nur empfehlenswert!
Zurück aufs schwedische Festland buchte ich dann die Fähre nach Oskarshamn und da die nächste Fähre ab Malmö bereits am nächsten Morgen ablegte, musste ich da mal kurz etwas Gas geben. Am Hafen von Malmö nochmals die Hunde auf einem leeren, eingezäunten Gelände freilassen und dann auf die bisher längste Fährstrecke. 7h Überfahrt nach Swinemünde… das war auf dem alten Kahn von Finnlines in einer völlig überhitzten, stickigen Kabine kein Vergnügen… Aber wir habenn es ausgehalten (Luna vorallem) und direkt nach Ankunft in Polen haben wir wieder einen schönen Stellplatz unweit des Hafens gefunden. Für Polen nahm ich mir diesmal eher wenig Zeit, aber einmal an die polnische Ostsee, einen der riesigen Sandstrände erwandern, war natürlich geplant. Dann südwärts via Stettin, entlang der Oder bis kurz vor Frankfurt/Oder und dann nach Deutschland.
Ein grosses Dankeschön an die Deutschen Gastgeber Anne, Ilka, Julian, Uwe, Kristin, Stefan, Kathrin, René, Simone und Frank in Coswig, Chemnitz, Frohburg und Beerendorf. Denn die 5 Tage in Deutschland hatte ich mehr Komfort als die ganzen Wochen zuvor und tolles Essen, Waschmaschine, Dusche, alles, was ein Camperherz nach einer Weile auch schätzt. Und mal wieder quatschen und erzählen tut auch immer gut!
Und vor 8 Tagen ging es dann weiter nach Tschechien, in Begleitung von Simone & Frank. Erst ein paar Nächte in Decin nahe der Grenze mit dem Highlight der Tyssaer Wände. Faszinierende Felsformationen auch hier, von oben und unten zu entdecken. Dann weiter nach Adrspach zu den ganz bekannten Felsen der dortigen Felsenstadt. Nicht weniger beeindruckend, wenn auch ganz anders. Nicht dass jemand denkt, ich schaue mir nur Felsen an… die sind wirklich überall anders und zwischen den Felsen gibt es ja auch anderes zu entdecken. Ein Regentag war in Adrspach mit im Programm, aber auch so ein wetterbedingter Ruhetag tut mal gut. Und inzwischen sind wir in Prag. Das war die bisher grösste Herausforderung für Luna, aber sie machte es viel besser, als ich mir je erhofft hätte. Einen Teil der Stadt-Rundgänge haben die beiden Ladies mitgemacht, einen Teil aber auch im Hotelzmmer auf einem Schiff auf der Moldau verschlafen. Auch Prag - wie auch ganz Tschechien - ist für mich Neuland. Und ich bin gespannt auf die verbleibenden Tage in diesem Land, denn morgen gehts weiter in Richtung Süd- und Ost-Tschechien. Davon dann im nächsten Bericht!
Viele Grüsse von den Flaggensammlerinnen - bisher haben wir 6!
